SA. 13.12.08 HOERFUNK MEETS SYNTAX

up: hoerfunk
PAN/TONE - LIVE (aka Sid LeRock, Kompakt, Cereal/Killers, Köln) GUNJAH (Showboxx, Funkwelt, Dresden) MARKUS WELBY (hoerfunk, Distillery, Melt!-Festival, Leipzig)
down: syntax
LORY D (Wireblock, Rephlex, Sounds Never Seen, Italy) STEVE K (Distillery, Syntax, Leipzig) GEORG BIGALKE (45 Minutes of Techno, Distillery, Drec, Leipzig)

Start: 23:00 | add to Cal


Ok, lassen wir das Vorspiel weg und kommen gleich zur Sache. So wie es sich Pan/Tone seit seinem fünften Album "Skip the Foreplay", das im September auf Cereal/ Killers erschien, zum musikalischen Lebensinhalt gemacht hat. Oder wie?

Pan/ToneNun, man kann schon von einer stilistischen Veränderung sprechen, die der Kanadier Sheldon Thompson aka Pan/Tone aka Sid Lerock aka Gringo Grinder mit seiner neuesten Veröffentlichung unter Beweis stellt. Allerdings ist diese, anders als der etwas irre führende Titel, von Gelassenheit, Leichtigkeit und Optimismus geprägt. "Never do what the others are doing" ist sein Motto. Das Album bestätigt diese Aussage und fühlt sich an wie ein Sommerregen, zu dem man am liebsten barfuß auf warmem Asphalt tanzen möchte. Ein Gefühl, dass man auch mitten im Winter haben kann, wie wir am eigenen Leib erfahren werden.

http://www.pantone-music.de
http://www.myspace.com/rockno

Text: Maren Probst

Dresden hat sich gerade im Bereich der elektronischen Spielarten zu einer Brutstätte erfolgreicher und grandioser Visionäre gemausert. Einer, der maßgeblich zur Entwicklung von Elbflorenz beigetragen hat, ist Gunjah. (Die doofen Kifferwitze lassen wir an dieser Stelle einfach mal weg. Wir dürfen ja immerhin schon auf dem Hof rauchen und müssen erst zum Mittag wieder bei Mutti sein.)

GunjahAber zurück zu Gunjah. Er kennt Lexy zwar schon seit dem gemeinsamen Spielen im Sandkasten, aber erst 1994 beginnt für ihn der Ernst des elektronischen Lebens. Seine Einstiegsdroge (Nein, auch hier kommt kein Hanfwitz!): Das legendäre Base. 1997 bespielt er die Fernsehturmstadt und damit ist sein Schicksal besiegelt. Über die Grenzen Sachsens und Deutschlands hinaus ist er ab diesem Zeitpunkt bekannt, geliebt und begehrt. Gunjah fühlt sich hinter den Turntables genauso wohl wie hinter den Kulissen. Er wird Veranstalter, seine WG ist der erste Anlaufpunkt für Künstler und DJs aller Coleur. Doch die WG wird zu klein und ein neues Domizil muss her. Es wird das Tweakers, heute unter dem Namen Showboxx bekannt, ein Mekka für Feierwütige. Zudem geht Gunjah mit dem Label 1st Decade eine Liason ein – der Rest ist Geschichte.

Markus Welby lädt uns den Gunjah-Markus nun heute endlich in die Distillery ein. Danke Markus. Beide!

Und was dürfen wir musikalisch erwarten? Gunjah lässt heute den Fernsehturm in Berlin und die kleine Hufeisennase samt Baumumarmer in Dresden. Vollgas gibt er gerne. Das macht Spaß, aber irgendwann nuddelt auch der beste Motor. Wie gut, dass Gunjah ein Mann der Taten ist und weiß, wie man dem entgegenwirkt. Er macht's mit einer schicken Mischung aus vorwärts, rückwärts, oben und unten. Seine Sets bauen sich, genauso wie seine Stücke und Remixe auch, ausgeklügelt auf. Er watscht das Publikum von einem Gemütszustand in den nächsten und wir finden es gut. So muss es sein das kosmopolitische Leben da draußen. Aber wer so lange Jahre seine ganz eigenen, verdammt guten Funkwelt-Parties anzettelt, von denen eine besser ist als die nächste – ja, von so einem darf man erwarten, dass er mehr als nur ein Händchen für gute Musik hat.

Wir bestellen bitte eine Saalrunde Hirschwasser, dann gehts los mit dem Tech-Electro-Spaß. Wir tanzen!

http://www.myspace.com/hoerfunkdistillery
http://www.myspace.com/gunjahdj

Text: Mandy Engel

Lory D – This is the Sound of Rome

Produzenten wie Jeff Mills, Drexciya oder Aphex Twin haben diesen Planeten mit wundervoll düsteren Stücken bereichert und dafür kennt sie jeder, der sich irgendwann mal mit Techno beschäftigt hat. Es gibt aber auch solche, die die Musik genauso vorangebacht haben, aber kaum einer kennt sie. Sie sind die eigentlichen Märtyrer dieser Kultur, denn wenn man nichts dagegen unternimmt, bleibt ihr Schaffen unerkannt, man vergisst sie und erst in irgendeiner zweiten Renaissance gräbt man das Ganze wieder aus. Ziemlich sinnlos. Weil wir keine 1400 Jahre warten wollen, haben wir unseren Fokus schon jetzt auf das Antike Rom gerichtet und siehe da – Lory D drängt sich ans Licht, um uns primitive Germanen zu bekehren.

Lory DDoch warum gerade er? Nun, Lory D ist nicht irgendein Dahergelaufener, der uns erklären will, er hätte elektronische Musik neu erfunden. Seit 1989 n.Chr. legt er auf und belegte bei den Italian DMC Championchips sogar den 3.Platz. Seine Discografie reicht bis ins Jahr 1991 n.Chr. zurück, beginnt mit Releases auf dem eigenen Label "Sounds Never Seen" und erreichte einen vorläufigen Höhepunkt zwölf Jahre später, als eine gleichnamige Compilation auf Aphex Twins Label Rephlex erschien. Dann wurde es ruhig um den Römer, bis er 2007 auf Wireblock mit seinem – Achtung Wortwitz! – unverändert experimentellen Sound dort anknüpfte, wo er nach Rephlex seine Pause eingelegt hatte. Ende Oktober diesen Jahres erschien die aktuelle EP "8 Gate", die wiederum bestätigt, dass Lory D auch der richtige Gast für die Syntax-Crew ist:

Sein Sound lässt sich nach wie vor nicht in eine Schublade pressen, aber Elemente die immer wieder auftauchen, sind ein treibendes, oft bouncendes Moment in unverbrauchten Beatkonstrukten, die ihren Platz genau in der Mitte zwischen Techno und Elektro finden. Stimmungsschwankungen zwischen düster-hypnotisierend und gespentisch-still sind eingeschlossen. Dabei wird so viel experimentiert, wie unter der Vorgabe von Tanzbewegungen möglich ist. Das ist eigentlich schon alles, was ein Artist an einem Syntax-Abend mit in den Keller bringen muss. Damit ihr gewappnet seid für die Lehren dieses italienischen Altmeisters, werden Georg Bigalke und Steve K für die richtige Vorbereitung sorgen, damit es nachher heißt:

Veni, vidi, vici.

http://www.myspace.com/syntaxleipzig

Text:rekorder
distillery.de