MO. 25.12.06 SHITKATAPULT LABEL NIGHT

up: Musick Floor:
PETER GRUMMICH (Shitkatapult, Spectral, Kompakt, Berlin) MAGNUM38 (Shitkatapult, Berlin) FLUSH (Shitkatapult, Berlin)
down: Ganz unten:
TIBCURL (Icke Micke, Female Pressure, Wien) DANIEL METEO (Shitkatapult, Kalk Pets, Berlin)
visual:
VJ MFO (mifop.de)

Start: 23:00 | add to Cal


FlushAbout the shit

Mit Shitkatapult kommt uns eines der Labels ins Haus, die in den vergangenen Jahren am auffälligsten Aufbauarbeit für den Elektronikstandort Germany geleistet haben - und das lange bevor Mr. Hawtin & Co. Berlin zu ihrer neuen Wahlheimat erklärten.

Wir schreiben das Jahr 1999, Techno-Punk T.Raumschmiere war noch mehr Techno als Punk sowie ohne Band und Major-Vertrag. Shitkatapult wurde also ins Leben gerufen von T.Raumschmiere himself, Marco Haas mit bürgerlichem Namen. Die ersten Releases waren gekennzeichnet von einer umwerfenden Roughness und - man versetze sich ins Jahr 1 vor Millenniumswende zurück - groben Minimalheit. Man darf sich also getrost auf die Fahnen schreiben, einer der Vorreiter heutiger Konsenstrends gewesen zu sein. Nicht zuletzt, weil die kompromisslose Härte der Shitkatapulte zuverlässig ihren Weg auf die Dancefloors dieser Hemisphäre fand - getreu dem Motto: Klotzen statt klickern - Beats auf die Omme und Stampfen bis die Glieder schmerzen. Stets stand dabei jedoch auch die Lust am Experiment zur Debatte: Bereits auf jenen ersten Releases finden sich für damalige Verhältnisse schon überraschend abstrakte Ansätze. Im Laufe der Zeit öffnete sich das Label immer mehr diesen Spielwiesen jenseits der nebeligen Stroboskopwelten - was auch ein Verdienst des aus Thüringen hinzugezogenen Sascha Rings sein dürfte. Jener mischte sich fortan unablässig in die Belange des Labels ein, gab sich bald als Apparat auch selbst die musikalische Blöße und etablierte mit seinen Releases endgültig die von Acts wie Rechenzentrum oder Magnum 38 eingeschlagene Linie des gebrochenen Beats.

Damit wären wir bei einem der ersten Protagonisten des heutigen Abends: Magnum 38. Ganz ähnlich wie T.Raumschmiere ein zur elektronischen Musik konvertierter Punkrocker, widmet er sich - geradezu typisch für Shitkatapult - dem weiten Spannungsfeld zwischen Drum&Bass und Techno. Also mit Sicherheit ein Liveact, der euch kräftig die Ohren waschen wird. Ebenfalls etliche Parallelen mit dem Labelvater höchstselbst kann Peter Grummich aufweisen: Auch er definierte seinen Sound als bedingungslos zupackend und verdiente sich damit bei Kompakt und Sender Records erste Sporen. Zumindest als Produzent. Denn heute kann der Herr inzwischen auf mehr als zwei Jahrzehnte DJ-Erfahrung verweisen - ein Umstand, der sich in seinen Produktionen ebenso bemerkbar macht wie in jedem einzelnen Set. Kaum einer vermag es, die stumpfe Euphorie des Technorausches zwingender zu artikulieren. Die gerade Bassdrum dient bei ihm nicht als Fluchtvehikel in bewusstseinserweiternde Geisteszustände, sondern vermittelt vielmehr eine unmittelbare, körperliche Präsenz. Eine Soundphilosophie, die man in einem Berlin anno 2006 so gar nicht mehr für möglich gehalten hätte.

Im Keller werden unterdessen musikalische Grenzen gänzlich überfällig: Mit Tibcurl spielt eine junge Dame bei uns, die selbst nur allzu gut weiß was es heißt, ein interessantes Clubprogramm zu gestalten. Als Betreiberin des Wiener "Icke Micke" lädt sie sich jeden Freitag Gäste unterschiedlichster Stil- und Geschmacksrichtungen ein: Von DJ Koze über Chicks on Speed bis Andrew Weatherall. Entsprechend vielfältig wird sie sich wohl auch selbst präsentieren…

Und Shitkatapult wäre nicht Shitkatapult, wenn sie darauf keine Antwort wüssten: Daniel Meteo heißt ihre Allzweckwaffe - ein höchst versierter Musikkenner und -macher, Labelbetreiber, DJ. Gemeinsam mit Tom Thiel veröffentlicht er als "Bus" bei ~scape feinsten Dub / Hip-Hop / Electronica, releast auf dem eigenen Label "Meteosound" ähnlich geartete Feinkost und begleitet regelmäßig Shows von Bus, ~scape oder eben Shitkatapult mit seinen DJ-Sets. Den Bogen spannt er dabei möglichst weit: Von abstrakter Electronica über mellow Reggae bis zu Techno und House. Na wenn das mal nix für euch ist, liebe Freunde der Nacht…

http://www.shitkatapult.com
http://www.tibcurl.com
http://www.meteosound.net

Text: Steffen Bennemann
distillery.de