SA. 07.12.02 MULTIDIMENSIONS

up: Tech Stuff:
DER DRITTE RAUM (Cocoon, Resopal Schallware) YUELE FERN (Distillery, Leipzig) PHILIPP ALICKE (Philter Music)
down: Chill Out:
FAPSER (Leipzig) STEVE B. (G.H.P)

Start: 23:00 | add to Cal


Der Dritte RaumDas Projekt Der Dritte Raum besteht aus den beiden Freunden und heute Partnern Andreas Krueger und Ralf Uhrlandt.

Andreas, Kopf von Der Dritte Raum, wurde 1963 in Goettingen geboren. Er wuchs in einer sehr musikalischen Familie auf und lernte bereits frueh Klavierspielen. Schon als Kind faszinierte ihn die Welt von Elektronikbaukaesten und Science-Fiction Filmen. Seine erste Begegnung mit einem elektronischen Musikinstrument war der Roland SH - Synthesizer seines Onkels, auf dem er gelegentlich spielen durfte.

Auch in seiner Schulzeit erwies er sich als einfallsreicher und innovativer Bastler: Alte Wehrmachtsroehren funktionierte er zu einem Mittelwellensender um, mit antiquierten Mikrophonen und Tonbandgeraeten nahm er eigene Hoerspiele auf.

Spaeter dann beschallte er mit einer eigenhaendig zusammengebastelten Stereoanlage seine Klassenfeten und entdeckte in jener Zeit die Welt der internationalen Elektronikmusik vom Schlage Pink Floyd, Kraftwerk, Human League oder auch Heaven 17. Die Band, die mich sicherlich am meisten beeinflusst hat, ist Devo, erklaert er.

Ab 1984 installierte Krueger sein eigenes Homerecording Studio in Goettingen und begann mit einem Korg Polysix - Synthesizer und der noetigen Peripherie aus Mischpult, selbstgebauten Echo- und Tonbandgeraeten die ersten eigenen Produktionen. Auf einer Hamburger Goa-Party gelangte ein von ihm produziertes Tape in die Haende von DJ-Star Sven Vaeth, der daraufhin Krueger und sein Projekt Der Dritte Raum zu seinem Label Harthouse holte. Es folgten diverse Veroeffentlichungen auf CD und Vinyl, wie z.B. Alienoid, Mentalmodulator oder oben genanntes Wellenbad, jenes '96er Album, ueber das die englische Gazette Muzik urteilte: This is the perfect antidote to late nights and manic psychedelia! Mit RAUMGLEITER folgt nun die artverwandte, aber dennoch voellig neu und eigenstaendig erschaffene Fortsetzung.

Neben der reinen Studioarbeit, die ausschliesslich auf die Kreativitaet Kruegers zurueckgeht besteht Der Dritte Raum auch als Live-Act. Gemeinsam mit seinem Freund und Partner Ralf Uhrlandt, den er ueber dessen eigene Gruppe Example Instance kennenlernte, geht Der Dritte Raum seit 1993 regelmaessig auf Tournee. Ihr Motto lautet Music nonstop! Also: Keine Pausen zwischen den Songs, ebenso wenig Flaechenthemen oder Geraeuschcollagen in den Pausen. Mit einem ganzen Arsenal aus Samplern, Keyboards und Sequenzern ausgestattet, stehen Krueger und Uhrlandt leibhaftig im grellen Scheinwerferlicht und bieten ihren Fans eine heisse Performance, in der es jede Menge Raum fuer Spontaneitaet und Improvisationen gibt.

Der Dritte Raum als Buehnenformation ist ein derart temperamentvolles und zugleich schweisstreibendes Vergnuegen, dass die Band vom Groove Magazine mehrere Jahre hintereinander zum besten Liveact gewaehlt wurde. Krueger: Wir lassen uns gerne von der Stimmung des Publikums mitreissen, wodurch die Auftritte immer wieder zu einer Session ausarten, bis allen die Luft oder uns der Strom ausgeht.

Diese Gefahr besteht auf seiner aktuellen Produktion Raumgleiter nicht. Eher schon das latente Risiko, aufgrund des hypnotisierenden Groove dieses Albums in Trance zu verfallen und selbstvergessen der Reise von Hale Bopp durchs Universum nachzusinnen. Aber waere dies eine so unangenehme Vorstellung?

Andreas Krueger

Am 22.12.1963 in Goettingen geboren, wuchs ich in einer musikalischen Familie auf. Mein Opa war Maler, mein Vater ist Tanz- und Jazzmusiker. Wahrscheinlich aufgrund der Tatsache, dass ich als Kind Klavier spielen und Noten lernen musste (was ich frueher gehasst habe), fing ich erst spaet, im Alter von 20 Jahren an, selbst Musik zu machen. Mein Hauptinteresse galt schon immer technischen Dingen, allem voran den elektrischen Phaenomenen dieser Welt...

Die Offenbarung schlechthin war fuer mich die Begegnung mit Fischertechnik und Kosmos-Elektronikbaukaesten. Besonderer Dank gebuehrt an dieser Stelle meiner Oma, die mir erlaubt hat, in ihrem Keller meine Bastel- und Sammelleidenschaften auszuleben. Die ersten Konfrontationen mit elektronischer Musik hatte ich durch mein Interesse an Science-Fiction Filmen.

Es gab in den Siebzigern eine SF-Fernsehserie, die ich als Kind geradezu verschlungen habe. Leider ist mir der Titel entfallen, jedoch kann mich noch genau daran erinnern, dass im Vorspann der Instrumentalteil von I feel love (Donna Summer / Giorgio Moroder) lief. Als ich dann am Roland SH 1000 Synthesizer meines Onkels - ebenfalls Musiker - rumspielen durfte, wusste ich wenigstens schon mal, wie diese Art Musik gemacht wird.

Wie gesagt, meine Oma hatte viel Platz und gute Nerven, was mir ermoeglichte, Unmengen von technischen Geraeten zusammenzutragen - noch heute habe ich eine Sammlung von Radioroehren und Rundfunkempfaengern aus den 30er Jahren. Aus dem ganzen Zeug habe ich unter anderem einen Mittelwellensender aus alten Wehrmachtsroehren zusammengebastelt und mit alten Tonbandgeraeten und Mikrophonen Hoerspiele fuer die Schule aufgenommen.

Auf dem Gymnasium habe ich die Klassenparties beschallt, weil ich der einzige war, der die entsprechende Anlage (aus Sperrmuell und sonstigem Krempel zusammengebaut) hatte.

In der Zeit entstand auch mein Interesse fuer Musik. Mich haben die etwas schraegeren, synthesizerlastigen Klaenge von Pink Floyd, Kraftwerk, Human League, Heaven 17, Devo (die Band, die mich wahrscheinlich am meisten beeinflusst hat) von Anfang an extrem begeistert.

Den richtigen Kick bekam ich durch den Korg MS 10 Synthesizer eines Klassenkameraden, der nach kurzer Zeit richtig sauer wurde, weil ich ihm das Teil gar nicht mehr zurueck geben wollte.

Im Herbst 1984 war es schliesslich soweit... Ein bisschen Klavier spielen konnte ich ja noch, also tauschte ich meine heissgeliebte RD 350 gegen einen Korg Polysix-Synthesizer und legte los. Die noetige Peripherie wie Echogeraet, Mischpult, Tonbandgeraet etc. hatte ich sowieso schon in meinem Bastelkeller, und den Drumcomputer durfte ich mir zum Glueck von einem Freund ausleihen. (Danke, Rossi !)

Nach und nach entstand zu Hause ein kleines Homerecording Studio. Parallel dazu habe ich zusammen mit meinem Bruder Michael am Schlagzeug in diversen Synthy-Pop und New Wave Bands Keyboards gespielt.

Da ich sehr viel mehr mit Musik und Technik zu tun haben wollte, gruendete ich 1990 zusammen mit einem Freund das Out-O-Space Studio in Goettingen, das in der regionalen Musikszene schnell zu einem Treffpunkt fuer Musiker aller Art mutierte. Dort hatte ich endlich die Moeglichkeit, erste Platten aufzunehmen.

Durch die Arbeit im Studio lernte ich meinen jetzigen der dritte raum-Partner Ralf Uhrlandt kennen, der in unserem Studio Demos fuer seine Synthy-Pop Band Example Instance aufnahm.

Tekkno...Als mich ein Freund 1992 mit in den Berliner Technoclub Planet schleppte, war ich von dem Sound derart fasziniert, dass ich daraufhin mit allen anderen Projekten aufhoerte, um an dieser neuen Musik zu arbeiten. Im Sommer 1993 fand sich in unserer Stadt die Family of Love Crew zusammen, die in einer stillgelegten Lokhalle die wahrscheinlich groesste und abgefahrenste Party inszenierte, die Goettingen je gesehen hat. Auf dieser Veranstaltung machte ich uebrigens auch zusammen mit Ralf die erste Live-Session.

Noch im selben Jahr wurde auf dem Out-O-Space Labelableger Con-Science Records das Album Dr. DNA Animalution veroeffentlicht. Da niemand von uns wusste, wie Labelarbeit richtig gemacht wird, blieb der grosse Erfolg leider aus. Obwohl das Ende des Labels leider nicht mehr abzuwenden war, wollte ich trotzdem weiter machen. Ich stieg bei Out-O-Space aus und baute mir in einem ehemaligen Schwimmbad mein eigenes Synthesizer-Studio M-50 auf. Hier entstand das erste der dritte raum-Album Mental Modulator sowie das zweite Dr. DNA-Album Heliomorph. Der Deal mit Harthouse kam uebrigens ganz zufaellig zustande. Ich lernte Sven Vaeth auf einer Hamburger Goa-Party kennen und gab ihm mein Tape. Ich konnte es kaum glauben, als mich der damalige A&R Manager DJ Pauli anrief... finden wir geil - wollen wir machen

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