SA. 07.02.09 DANCEMATERIAL MEETS WHERE THE BUFFALO ROAM

up: dancematerial
ARTO MWAMBé (Brontosaurus Records, FFM) EASYDCNAE (Leipzig) STEFFEN BENNEMANN (Nachtdigital, Holger, Leipzig)
down: where the buffalo roam
DANIEL SAILER (Distillery, Where the Buffalo Roam, kompl3x, Leipzig) PAUL PANZER (Digital Luxuries, Leipzig) STEPHAN VON WOLFFERSDORFF (Distillery, Where the Buffalo Roam, Leipzig)

Start: 23:00 | add to Cal


Für Arto Mwambé war eigentlich etwas anderes vorgesehen. Nachdem er im Staat Burkina Faso in Westafrika hätte aufwachsen sollen, sollte er eine Position im Regierungskreise des Präsidenten bekommen, diesem bei der Führung der Streitkräfte als engster Berater zur Seite stehen. Dann sollte ihm die Musik begegnen und seiner politischen Karriere ein jähes Ende setzen, ihn statt dessen zu einer musikalischen Entdeckung der westlichen Welt werden lassen. Zunächst mit seiner Begleitband, den Barons of Burma, dann allein: House, neu entdeckt, intelligent, frisch, fröhlich und so noch nicht gehört. Das sollte der Sound von Arto Mwambé sein. Und wurde es auch.

Arto MwambéNur die Lebensgeschichte des Künstlers stellte sich ein bisschen anders dar, das fand man schnell heraus. Denn eigentlich stecken hinter dem afrikanischen Namen zwei Artists aus Frankfurt: Chris Beisswenger und Phillip Lauer, die auf der Suche nach einem Namen für das gemeinsame Musikprojekt auf Arto Mwambé stießen, den "gut gelaunten Deephouse-Wigger, der die Party jenseits von Preacherman-Pathos und Superlover-Klischees ordentlich anschiebt." schreibt die De:bug. Phillip Lauer, einer der Männer hinter Arto Mwambé, bringt bereits seit 2000 House-Platten heraus, unter anderem auf In Between, Séparée und Punkt Musik. 2004 startete die Zusammenarbeit mit Chris Beisswenger, die man sich nach eigenen Angaben wohl so vorstellen muss, dass Phillip am Klavier mit viel Fingerfertigkeit zu Gange ist, während Chris am Computer seine Produktionsskills zum Besten gibt. Das ist feinste Handarbeit und es wird kaum gesampelt, mal abgesehen von ein paar Vocals.

Die Klänge von Arto Mwambé lassen sich am allerbesten beschreiben, wenn man sich eine ganz lange Dessertkarte vorstellt, auf der man sich alles aussuchen kann, was funktioniert. Also alles was süß, cremig, weich und knusprig ist. Das alles wird dann ganz langsam zu einer angenehm wabernden Masse vermengt, wobei besonders darauf geachtet werden muss, dass keine Küchenmaschine verwendet wird. Alles muss soft ineinander fließen und sich in einer perfekt auf der Zunge zergehenden Konsistenz, die eben auch ein bisschen prickelt, auflösen... Hmmmm...

Wenn Ihr jetzt immer noch nicht wisst, wie sich Arto Mwambé anhört, dann solltet Ihr beschließen auf den Nachtisch bei Mutti zu verzichten und Euch aufmachen an Eurer liebstes Dessertbuffet: die Distillery. Hier habt Ihr im Übrigen auch keine Chance, auf dem Sofa zu versinken, denn die knallig-knifflige Housemusik, die trotz bedächtiger Geschwindigkeit in angenehmer Weise schiebt, wird Euch ganz von allein in Bewegung versetzen.

Philipp Lauer gründete kürzlich sein eigenes Label, Brontosaurus, dass innerhalb von zwei Jahren neun Platten veröffentlichte, die irgendwo zwischen Deephouse und Italo-Disco angesiedelt sind und hauptsächlich von Arto Mwambé und befreundeten Musikern stammen. Und ja, man kann es wohl neidlos zugeben, dieser Sound ist ebenso sympathisch wie energetisch, hat mehr Soul als man es zwei weißen Frankfurtern zutraut und den Gute-Laune-Faktor, der allerdings völlig unaufgesetzt durch die Basslines prescht.

easydcnaeDer lokale Support kommt an diesem Abend von EASYDCNAE (sprich: easy dance). Die Jungs verstehen sich als "Eine Initiative für mehr Harmonie beim Tanzvergnügen" getreu dem Motto: "Heut schon mal Fläche gehört?". Lustige Burschen also, soviel ist schon mal klar. Wenn Ihr lieber auf bekannten Gewässern segeln wollt, dann wird Euch Steffen Bennemann mit genügend ebenso schmackhaften Material versorgen und Euch sozusagen das Karamell zum Vanilleeis oder, wenn es Euch jetzt entgültig zu süß wird, eben den Espresso zur Nachspeise servieren und damit einen gelungene Veranstaltung abzurunden wissen.

http://www.myspace.com/artomwambe
http://www.myspace.com/brontolaurus
http://www.myspace.com/easydcnae

Text: Sonja Kanthak und Maren Probst


Auf dem unteren Floor werden die zuständigen Richter Paul Panzer, Daniel Sailer und Stephan v. Wolffersdorff in der musikalischen Verhandlung aufführen, dass die Verbreitung kultureller elektronischer Informationen nicht nur zulässig sei, wenn besonders grobe Verstöße oder positiv festgestellte Tanzverfahren offen gelegt würden, sondern auch wenn ein besonderes öffentliches Interesse an der Aufdeckung von Missständen unterhalb der Schwelle des Hörbaren bestehe, wenn es sich also um einen Beitrag zum Meinungskampf handele, der die Öffentlichkeit besonders interessiere.

Text: Ren
distillery.de