FR. 13.07.07 FRIDAYCLUB: BLACK BELT BOOGIE PRESENTS BASS PLUS

up: HipHop, Baile Funk, Dub, Reggae, Dancehall:
MAGA BO (Soot Records, Rio de Janeiro) FULL CONTACT (Downtownlyrics) KID GRINGO FEAT. MASTAH K (The People's Choise Back In Full Effect)
down: Breakbeat:
BAOBINGA (Fat!, Hardcore Beats, Manchester) PEAK PHINE (Distillery, Bass Plus, Leipzig) SENCHA (Leipzig)
visual:
RES-CREW (Weimar)

Start: 22:30 | add to Cal


Maga BoZur kommenden BassPlus-Sause wird einmal mehr der Spaß am (Friday-)Clubbing mit innovativen Sounds internationaler Künstler verbunden. Auf dem oberen Floor der Brasilianer Maga Bo mit seiner Live-Performance voll heißer Rhythmen, viel Bass und einer Fusion unterschiedlichster Soundquellen, die zusammen wohl das Tanzbarste hergibt, was "Weltmusik" in elektronischer Form zu bieten hat. Dazu die lokalen Helden zu dieser Mischung, denn Full Contact, Mastah K und Kid Gringo stimmen das mit essenziellen Tunes von HipHop bis Reggae und Baile Funk ab, optisch unterstützt von der Weimarer VJ-Crew RES. Im Keller hingegen die optimale Besetzung mit Breaks-Topproduzent Baobinga, der mit seinem unverwechselbar vielschichtigen Style Hüften wie auch Clubgemäuer zum Shaken bringen wird, so dass die Hände sicher im Sekundentakt Richtung Decke fliegen werden. Immerhin schätzen seine Produktionen nicht nur Topligisten wie die Freestylers, Plump DJs und Stanton Warriors - was letztlich auch Compilation-Beiträge wie auf "Fabric Live" bestätigen. International auch als DJ gefragt, ist es schön, den vielbeschäftigten Weltenbummler nach über 2 Jahren wieder in der Messestadt empfangen zu können. Auch hier kommt beste Unterstützung von den Black Belt Boogie DJs Peak Phine und Sencha, die im Doppelpack sogar für noch mehr Unruhe auf der Tanzfläche sorgen, als sie es sonst solo ohnehin schon tun.

Dass der musikalische Output in Brasilien momentan boomt, bestätigte nicht nur die letztjährige Popkomm, wo die vielschichtigen Sounds von neuen Keimlingen wie Baile Funk und Drum & Bass a la DJ Marky bis hin zu Samba und Bossa Nova besondere Beachtung fanden. Maga Bo ist einer dieser Künstler, der mit seiner Suche nach neuen Sounds und Verschmelzungen die Flamme am Lodern hält. Ganz vorn ist er in seiner Heimatstadt Rio de Janeiro dabei, aus seinem Hang für breakbeatartige Konstruktionen in verschiedenster Form Styleclashs zu arrangieren. Das führt dazu, dass man durch eine Welt aus Batucada, Rai, Capoeira, und Bhangra geführt wird, die wiederum mit Beats und Bass ausgestattet ist, dass jede Box ehrfurchtsvoll zu Zittern beginnt. Also ein grenzüberschreitendes Gemenge an dreckigen Streetsounds, sowie Rhythmen und Melodien aus Brasilien, Marokko, Indien und anderen Teilen der Erde. Das Prinzip heißt hier: found, stolen & modified.

Und ja, tatsächlich bereist Maga Bo all diese Winkel des Globus' selbst. All die Eindrücke, die er unterwegs sammelt, verbindet er auf der Tanzfläche zu einem weit umspannenden Geflecht pulsierender Beats und Musik voller unglaublicher Geschichten, in der sich die tanzende Menge wiederfindet. Und die Reise führt nicht nur innerhalb eines seiner schweisstreibenden Sets weit, denn mit seinem portablen Laptop-Studio arbeitete und performte er bereits in Afrika, Asien, Nord- und Südamerika sowie auch in Europa. Dementsprechend versprengt ist auch die jeweilige Heimat seiner zahlreichen Kollaborationspartner, mit denen u.a. schon der ein oder andere knackige HipHop-Tune "International Style" erschienen ist.

Neben Labels wie Wordsound und Tru Thoughts ist er vor allem für Soot Records aktiv, wo zuletzt auch sein Mixtape "Confusion Of Tongues" erschien, bei dem er seine hohe Kunst der mutiert bouncenden Rhythmen bestens zum Ausdruck bringen konnte. Remixes wurden u.a. schon mit Gishlain Poirier und Ex-Asian Dub Foundation Member Dr. DAS hin und her geschoben. Die Live-Performances des 38-jährigen bestehen aus einer Mischung von klassischem DJing und Live-PA. Die aufgetriebenen Street-Mixtapes aus allen Teilen der Welt finden sich darin ebenso wieder, wie mp3s aus dem Web, Geheimtipps aus dem Underground-Vinylshop oder Original Beats, unreleaste Remixe, sowie exklusive Tracks. Und auch, wenn ihr jetzt noch erfahrt, dass Maga Bo als Soundartist für Dokumentarfilme sein Unwesen treibt, könnt ihr euch bei einem sicher sein: Im Club ist er weniger Naturbursche, als vielmehr die perfekte musikalische Zutat für eine richtig heiße Nacht.

www.magabo.com
www.rollingsounds.de
www.germaica.net

Text: Sascha Heyne


BaobingaWie verflucht schnell die Zeit manchmal ins Land geht. Vor zweieinhalb Jahren droppte der damals noch relativ unbekannte Baobinga seinen ersten Deutschland-Gig in der Distillery und das gleichzeitig zur ersten Black Belt Boogie Party in diesen Gemäuern. Nun schaut er wieder vorbei, aber hat allein in diesem Jahr schon die halbe Welt bereist. Er hat es innerhalb dieser Zeit einfach richtig wissen wollen und sich an die Spitze der internationalen Breaks-Produzenten gearbeitet. Wir wollen an der Stelle nicht etwa behaupten, wir hätten es gewusst, aber gehofft auf jeden Fall.

Schließlich ist es nicht nur diese dreckige, ideenreiche Art zu produzieren und dabei unterschiedlichste Einflüsse im „Baobinga-Style“ auf den Punkt zu bringen. Denn schnell besticht er auch durch seine ganz eigene Art als symphatischer Rudeboy mit speziellem Humor. Das sieht man, das hört man. Heutzutage hat er eine raue Menge an Tracks und Remixen auf unterschiedlichsten Labels vorzuweisen. Und das Beste daran - es klingt immer anders, und doch ist es soundtechnisch aus einem Guss. Egal ob solo oder mit seinem Kumpel aus alten Manchestertagen namens ID, oder als "Body Snatchers" zusammen mit dem Bristoler Produzenten 30Hz. Mal hijackende Bassline-Breaks, mal pumpende Breakstep-Sounds als Pablo Beatz, oder konträr dazu Tracks mit hervorstechendem Techno/House-Einschlag, die aber in ihrer Durchschlagskraft jeden noch so abgedrehten Electrohouse-Tune mehr als alt aussehen lassen.

Als DJ mindestens genauso von der Crowd geliebt, jettet er mal eben nach Neuseeland und Australien, und nachdem er mal wieder für ein paar Club- und Festival-Gigs die königliche Insel heimsuchte, geht es gleich mit einer Südafrika-Tour und anschliessend in Hong Kong weiter rund. Das allerdings nicht ganz ohne Grund, ist er doch gebürtiger Südafrikaner und lebte eine zeitlang in China. Damals noch an einem Distillery-Samstag mit Breaks und Techno bewaffnet, wird er mit Sicherheit auch im Rahmen des Fridayclub den ein oder anderen Überraschungsmoment durch die Boxen jagen, denn Langeweile ist wohl das Letzte, was bei diesem Typen aufkommt.

www.myspace.com/baobinga
www.bassplus.de
www.blackbeltboogie.com

Text: Sascha Heyne
distillery.de