SA. 13.01.07 FINEST SELECTION + AUDIOFICTION

up: Finest Selection:
SASCHA FUNKE (Multi Culti, Endless Flight, Turbo, Kompakt) CHRIS MANURA (Ackerdub, 3000°, Distillery, Leipzig) ANDREAS ECKHARDT (Distillery, Leipzig)
down: This is Audiofiction:
MIRZ BRüN VS. TURBOFLIP (Leipzig, Frankfurt) MIKA (Audiofiction) ONKIT (Audiofiction) MITCH (RocknRule, Audiofiction)
visual:
VJ MFO (mifop.de)

Start: 23:00 | add to Cal


Sascha FunkeMusiker werden ja gern so in Schubladen gesteckt. „Um sie für den Leser greifbar zu machen.“, sagt der Journalist dazu. Sascha Funke ist also der Typ „netter Junge von nebenan“.

Das aber im wortwörtlichsten Sinne: Denn Saschas Studio befindet sich genau eine Etage unter dem Büro seiner Labelheimat Bpitch Control. Mit Ellen Alliens Label verbindet ihn eine innige Beziehung: Sascha begleitet Bpitch seit seinen ersten Tagen, hat es zu einem nicht unwesentlichen Teil selbst mit geformt. Nicht nur durch seine Veröffentlichungen, sondern Sascha ist so einer, der auch schon mal tatkräftig aushilft, wenn es gilt, sich durch die Berge von Demos zu wühlen. Das zeugt von gegenseitigem Vertrauen, von Verständnis, von Nähe: Sascha schätzt vor allem den familiären Aspekt an Bpitch Control. Gemeinsam geht man auf Tour, gemeinsam repräsentiert man das Label, gemeinsam schaut man Fußball.
So unterschiedlich die musikalischen Ansätze von Acts wie Modeselektor, Paul Kalkbrenner und Ellen Allien selbst sein mögen, so geschlossen verkörpern sie doch den Grundgedanken der Bpitch-Philosophie: Vielfältigkeit.

Sascha Funke lotet seine eigene Position in diesem innerberlinischen Mikrokosmos mit jeder Veröffentlichung neu aus – stets pendelnd zwischen den Polen harmonisch-melodisch und trocken-tanzbar. Mal sammelt er behutsam melancholisch das Herbstlaub vom Fußweg, mal schüttelt er selbst kräftig am Stamm. Seine eher zurückhaltende Person verführt mediale Multiplikatoren jedoch häufig dazu, ihm dieses relativ einseitige „Mr. Nice Guy“-Image überzustülpen. Das führt dann schon mal zu Phrasen wie „Mister Kuschelrock“ oder „die gute Seele von Bpitch“. Aber sicher ist da irgendwo auch etwas dran: Funke ist ein liebenswert Bescheidener, einer der beim ersten Eindruck still erscheint, erst im Kreise von Bekannten richtig aufblüht. Dazu Fußballverrückter, erstklassiger Remixer und höchst gefühlvoller DJ. Einer, der seinen Tracks Titel gibt wie „2:1 für die Liebe“ oder „Mein Rave Ist Dein Rave“. So wundert es auch nicht, dass die Intro ihn glatt als ihren favorisierten „Herzblatt“-Kandidaten sieht. Und wenn ich es mir recht überlege: Hey, warum eigentlich nicht?

http://www.myspace.com/saschafunke
http://www.bpitchcontrol.de

Text: Steffen Bennemann


Mirz Brün Entschuldigung, glauben Sie an Außerirdische? Nein? Dann unterliegen Sie einem schrecklichen Trugschluss, wissen Sie das?! Natürlich gibt es intelligente Wesen auf anderen Planeten. Die besonders musikalischen unter ihnen haben längst festgestellt, dass die Erde die Brutstätte schlechthin für musikalisches Potential ist. Und so tun sie das, was alle, um die musikalische Zukunft ihrer Kinder besorgten außerirdischen Eltern tun würden: Sie schicken sie für ein/zwei Auslandssemester auf den grünen Planeten. Der Nachwuchs packt aus diesem Anlass all seine Musikinstrumente ein (Das sind Maschinen mit vielen Knöpfen und Reglern und Lämpchen, die abwechselnd grün und rot aufleuchten, wenn man sich an der Gerätschaft zu schaffen macht.), steigt in ein so genanntes Ufo, nutzt also den öffentlichen Nahverkehr, und auf geht’s.

Was dann passiert, ist sehr verschieden. Die einen nehmen Klavierunterricht, andere wiederum treten in Punkbands ein, weil ihre Kenntnisse in der Bedienung irdischer Musikinstrumente noch nicht so ausgefeilt ist, sie aber trotzdem bereits auf einer Bühne stehen möchten, wieder andere versuchen es bei „Deutschland sucht den Superstar“ und werden nicht selten von Dieter Bohlen gepusht. In letzter Zeit sind auch Boybands sehr beliebt unter unseren außerirdischen Freunden. Doch wie auf der Erde gibt es ein paar wenige coole Typen in der außerirdischen Masse. Die besinnen sich auf das, was sie können: aus ihren Maschinen elektronische Sounds holen, verrückt aussehen und unglaubliche Körperbewegungen vollführen (Das kommt besonders zur Geltung, wenn sie dabei die traditionellen Trachten ihres Planeten tragen.) Dann suchen sie sich ein oder zwei Erdlinge, die in der Lage sind dem ein oder anderen weltlichen Instrument oder ihrer Stimme ähnlich schräge Töne zu entlocken und gründen eine Band. Die Texte der Songs schreiben die Außerirdischen selbst. Das lassen sie sich nicht nehmen. Meistens geht es um die Dinge, die ihnen auf der Erde besonders auffallen, über die sie sich wundern, die sie stören oder an denen sie sich freuen. Im Fall von Mirz Brün heißen die Songs: „Verzweiflung“, „Schlechtes Wetter“, „Fortschritt“ oder „Underwear“. Ganz klar wichtige Erdthemen, mit denen man sich als Außerwelter früher oder später auseinander setzen muss.

Die Musik von Mirz Brün ist typisch für eine irdisch-außerirdische Kooperation: sehr elektronisch, ein bisschen House, ein bisschen Rock’n’Roll und ein bisschen undefinierbare Klänge: Knarzen, Klicken, Scheppern. Sounds, die irgendwie nicht von dieser Welt sind. Aber das Beste ist natürlich die Bühnenshow: In Originaltrachten, deren Anblick das menschliche Auge nicht gewohnt ist, geben die Bandmitglieder alles. Die Energie, die auf einer Mirz Brün – Bühne herrscht, könnte so einige Blitzknaller beim bloßen in die Luft halten entzünden. Sie glauben immer noch nicht an Außerirdische? Am 13.1. spielt Mirz Brün in der Distillery, danach sprechen wir uns wieder.

http://www.myspace.com/mirzbruenpower

Text: Maren Probst
distillery.de