DI. 18.11.03 EVOLUTIONS IN AUTUMN

up:
CHRIS LIEBING (clr.net, FFM) BALSAM + PERCINZ (Dezernat6, Delitzsch)
down:
SEBASTIAN KRABBES (Dezernat, Delitzsch) DAMIAN WOLANSKI (Dezernat, Delitzsch)

Start: 23:00 | add to Cal


{{image:2722:not_found}}Mittlerweile ist es schon eine kleine Tradition geworden, wenn in der Nacht des Bueßens und Betens ein gewisser DJ aus einem Land, in dem dieses Ritual abgeschafft wurde, seine Art des Insichgehens zelebriert.

Im Sommer veroeffentlichte er sein erstes Album mit dem tiefgruendigen Namen Evolution. Viele runzelten ein wenig die Stirn, denn was hat Techno mit Evolution zu tun? Nun, wir wollen uns an dieser Stelle nicht darueber auslassen.Evolution hat etwas mit Entfaltung zun tun, mehr als das wuenschen wir uns von diesem Abend nicht! Also, auch wenn es draußen mittlerweile ziemlich grau und kalt ist und der Allgemeinheit die Buße fuer ihre Suenden am heutigen Tag verordnet wird, Tanzen ist keine Suende!

Chris Liebing: Evolution
Album Info - Chris Liebing

Ich habe lange Zeit keinen großen Sinn darin gesehen ein eigenes Album zu produzieren, da ich mich lieber um tanzbare 12“ Vinyls gekuemmert habe und ich auch heute noch eine Ansammlung von 12“ Tracks nicht als Album ansehe. Fuer mich muss ein Album eine Aussage haben und in sich Sinn machen.

Vor ca. 2 Jahren begann ich mich mehr und mehr mit dem Beduerfnis auseinander zu setzen, mehr mit meiner Musik auszusagen, als dies mit einer Vinyl Maxi moeglich ist. Von da an entwickelten sich so langsam in meinem Kopf die Idee und das Konzept meines ersten Albums. Zusammen mit meinem Studiopartner André Walter fing ich vor ca. eineinhalb Jahren an Tracks fuer dieses Album zu produzieren.

Der Titel „Evolution“ beschreibt im Großen und Ganzen worum es mir in diesem Album geht. Zum einen spielt meine eigene musikalische und persoenliche Entwicklung natuerlich eine Rolle, aber insgesamt geht es mir doch eher um die Entwicklung der Welt in der wir Leben.

Durch mein DJing hatte ich inzwischen das Glueck schon in vielen verschiedenen Laendern viele verschiedene Menschen kennen zu lernen. Grundsaetzlich habe ich daraus zwei Dinge gelernt:

Alle Menschen sind gleich. Jeder ist ein Produkt seiner Umwelt und daher einzigartig. Auch interessiere ich mich schon laenger fuer die Entstehung und die Zukunft des Weltalls, der Erde und der Lebewesen, die darauf wohnen. Durch Beobachtungen auf meinen Reisen werfen sich da natuerlich einige Fragen auf. Wie z.B. hat die Menschheit es eigentlich bisher geschafft zu ueberleben, wenn ich mir so manche Verhaltensweisen anschaue.

Ich nehme als Beispiel mal das „Gepaeckband Phaenomen“. Jeder, der schon mal geflogen ist kennt es. Anscheinend glaubt jeder Passagier je naeher er am Ausgabeschacht steht desto eher kommt auch sein Gepaeckstueck raus. Dies fuehrt natuerlich zu großem Gedraenge und großer Anstrengung an sein eigenes Gepaeckstueck zu kommen. Meiner Ansicht nach ist dafuer ein Ur-Ueberlebensinstinkt, der von Charles Darwin als „Survival of the fittest“ beschrieben wurde verantwortlich. Dieser Instinkt war und ist natuerlich ueberlebenswichtig fuer alle intelligenten und „nicht so“ intelligenten Geschoepfe. Waere es aber beim „Gepaeckband Phaenomen“ nicht hilfreicher diesen Instinkt auszuschalten, d.h. jeder haelt einen Abstand von ca. 3-4 Metern zum Band und kann dadurch leicht und schnell sein Eigentum identifizieren und holen?

Ist unsere Evolution an einen Punkt angekommen, an dem es nur weitergeht wenn wir lernen einige unserer Ur-Instinkte, welche frueher fuer das Ueberleben noetig waren nun teilweise auszuschalten? Nur eine von vielen Fragen, die sich mir stellen.

Theorien von unter anderem Professor Stephen Hawking haben mich schon manchen Antworten naeher gebracht und auch noch mehr Fragen aufgeworfen. Einige seiner Theorien sind auf meinem Album verarbeitet und vielleicht bringt es den einen oder anderen dazu sich seine eigenen Gedanken hinsichtlich unserer Entwicklung zu machen.

Warum sind wir also hier und wo geht es noch hin? Die Antworten findet man bestimmt nicht auf meinem Album, aber vielleicht ueberbruecken wir damit etwas die Zeit bis wir es herausfinden.

Eigentlich um genau 73 Minuten und 54 Sekunden.

Chris Liebing

http://www.cl-rec.com
http://www.spiraldynamics.com
http://www.wie.org/jd_home/jd_default.asp
http://www.elalba.de/visionen/wilber/spiraldynamics.htm
http://www.ak-kenwilber.org/
distillery.de